Wednesday, February 02, 2011

Global (academic) markets? Structural and philosophical differences between the U.S. and German academic system

From CERN to the International Space Station, scientists are increasingly working across national boundaries and infrastructures to collaboratively tackle the big questions of our time. And for fields, such as nanotechnology, corporations, non profits, and regulators are trying to harmonize regulatory frameworks across continents to protect consumers and promote science at the same time.

What makes this globalization of the scientific enterprise even more surprising is the fact that all of this is happening with fairly archaic and idiosyncratic structures dominating the academic systems in each country. Earlier this fall I was invited to contribute a short piece to a publication called Länderprofile, published by the Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), a foundation in Bonn, Germany. The piece deals with the significant structural and -- more importantly -- philosophical differences between the U.S. and German academic system, and I am reposting a longer version here.

Since this is targeted mostly at German readers, I did not translate it into English.  But the punch line is fairly simple: The U.S. academic system is characterized by a significantly higher degree of market orientation than Germany, for both teaching and research. And in most cases that is a good thing, at least for those of us who believe in promoting and rewarding excellence.  Ironically, the Economist published an excellent piece just a couple of weeks before I submitted this to the publisher, attacking the U.S. academic system for in fact not being corporate enough in its everyday operations.

Here's the longer version of what Länderprofile used for the published magazine:

Als die ersten amerikanischen Colleges wie Yale oder William & Mary Mitte des 17. Jahrhunderts gegründet wurden, lehnten sie sich direkt an das Britische Universitätsmodell an. Während der letzten vier Jahrhunderte hat sich auf beiden Seiten des Atlantiks viel verändert. Ein Vergleich der deutschen und amerikanischen Forschungskultur lässt daher klare Unterschiede, aber auch einige Gemeinsamkeiten erkennen.
Ein erster, struktureller Unterschied ist die in den USA sehr deutliche Trennung zwischen Undergraduate oder College Education (normalerweise die ersten vier Jahre, die Studierende an der Universität verbringen) und Graduate Programs (Magister- und Doktorandenprogramme). Die deutschen Bachelor-Studiengänge, die mit der so genannten Bologna-Reform eingeführt wurden, sind damit nur bedingt vergleichbar. Manche Ivy League Universitäten wie z.B. Dartmouth bieten in vielen Fachbereichen überhaupt keine Magister- oder Doktoranden-Studiengänge an. Ihr Ruf als Elite-Universitäten basiert daher vor allem auf den Undergraduate-Studiengängen. Auch die meisten der in den USA verbreiteten Universitäts-Ranglisten wie etwa jene der Zeitschrift U.S. News and World Report bewerten vor allem die Studiengänge für Undergraduates. 
Amerikanische Universitäten heben sich von deutschen Universitäten auch sehr deutlich in ihrer Finanzstruktur ab. Drittmittel und Stiftungsgelder (sogenannte Endowments) machen selbst an Staatsschulen wie Arizona State oder UCLA einen deutlichen Anteil des Haushalts aus. Privatunis wie Harvard oder Yale finanzieren sich fast ausschließlich über Endowments. Der tägliche Forschungsbetrieb an den Top-Unis wird daher größtenteils von Geldern unterstützt, die von privaten Stiftungen (z.B. Ford Foundation oder MacArthur Foundation) oder von der Regierung (z. B. National Science Foundation, NSF oder National Institutes of Health, NIH) vergeben werden. Selbst die Lehre wird teilweise über Drittmittel finanziert. Beispielsweise mussten Undergraduates an der University of Wisconsin-Madison vor zehn Jahren nur etwa ein Drittel der Kosten ihrer Ausbildung über Studiengebühren selbst begleichen. Der Bundestaat übernahm folglich fast zwei Drittel der Kosten. Heute liegt der Kostenanteil für Studenten bei 60 Prozent
Einer der wichtigsten Unterschiede in der Forschungs- und Universitätskultur ist jedoch das privatwirtschaftliche Denken amerikanischer Universitäten im Hinblick auf leistungsbezogene Beförderung und Bezahlung von Professoren. Hier geht es dabei nicht um vergleichsweise geringe Leistungszulagen wie in Deutschland, sondern um lukrative Namensprofessuren und Gehaltserhöhungen, die sich durchaus auf $50,000 oder mehr belaufen können, wenn ein Professor oder eine Professorin Angebote von mehreren Top-Unis vorliegen hat. Selbst jährliche Routinegehaltserhöhungen basieren auf leistungsbezogenen Kriterien (merit system), das jede/n Professor/in in den drei Schlüsselbereichen Forschung, Lehre und Service bewertet. Selbstverständlich ist dabei, dass Forschung sehr deutlich als wichtigster Bereich bewertet wird. 
Eines der Hauptkriterien für die Bewertung der Forschungsleistung in den USA sind Veröffentlichungen in den besten Fachzeitschriften und dabei auch, wie oft man von Kolleg/inn/en zitiert wird. Entscheidungen über Beförderung oder Verbeamtung fällen universitätsweite Gremien, die in Zitations- und Publikationsanalysen ein Mittel zur Standardisierung über disziplinäre Grenzen hinweg sehen. Ein zweiter wichtiger Maßstab sind Drittmittel. Forschungsvorhaben, die von der NSF oder NIH unterstützt werden, finanzieren nicht nur Laboratorien oder Projekte, sondern werden auch von der Universität “besteuert,” die normalerweise fast 50 Prozent als Gemeinkostenbeitrag (overhead) einbehält. Wer Drittmittel eintreibt, bezahlt daher sein Gehalt beinahe selbst und kann daher normalerweise eine deutliche Gehaltserhöhung verhandeln. 
Solche ökonomisch ausgerichteten Modelle haben natürlich auch ihre Nachteile. Die Carnegie Classification of Institutions of Higher Education führte in den 1990ern den Begriff R1 (Research University One) als Klassifikation für ungefähr 40 Universitäten ein, die sich im  Drittmittelaufkommen, in der Anzahl von Doktoranden und im Forschungsvolumen deutlich vom Rest der amerikanischen Unis abheben. Und da R1-Universitäten die besten Professoren von jenen Konkurrenten abwerben können, die finanziell schlechter gestellt sind oder ein weniger ausgeprägtes Forschungsprofil haben, wird die Kluft zwischen R1-Unis und dem Rest der US Colleges immer breiter. Drew Faust, Präsident der Harvard University, prophezeite vor einigen Jahren sogar, dass die beste Forschung – vor allem in den Naturwissenschaften – künftig nur noch an Eliteschulen möglich sei.   Aber solche Vorhersagen, die Präsident Faust in einem Leserbrief auch sofort widerrief, sind nach dem Bankencrash von 2009 natürlich längst vergessen.
Interessanterweise kommt die lauteste Kritik an US-Universitäten aber aus Wirtschaftskreisen. Die Zeitschrift Economist kritisierte im September diesen Jahres Staats- und Privatschulen gleichermaßen für ihr nichtwirtschaftliches Denken, d.h. für inflationäre Kosten und fehlende Effizienz.  Im Kreuzfeuer steht unter anderem die Harvard University, die bis 2006 von Larry Summers geführt wurde – dem ehemaligen Chief Economist der Weltbank und Direktor von Präsident Obama’s National Economic Council.

Here's the citation for the published piece:

Scheufele, D. A. (2011). Hauptunterschied ist das privatwirtschaftliche Denken: Vergleich deutscher und amerikanischer Hochschulkultur. In GATE-Germany (Ed.), Länderprofile: Edition USA (p. 15). Bonn: Deutscher Akademischer Austauschdienst.

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